k ö n i g s e e   u n d   w a t z m a n n   |   2 0 1 4

kein wetter, um eine kurze auszeit zu nehmen | beißend kaltes nass hängt in den verwinkelten tälern berchtesgadens | novembergrau | der blick hinauf zu den bergketten versinkt in weißem nichts | still schweben zwei schlanke ausflugsboote neben dem steg im glasklaren wasser | goldrotes holz, messing und glas erinnern an zeiten mit stock, zylinder, taillierten kleidern, ausladenden hüten | wir sind heute fast allein | nur wenige touristen warten wie wir

drei minuten später gleitet der gut beheizte kahn leise hinaus auf den see | der helle kiesgrund sinkt in schwarze tiefe hinab | links und rechts richten sich die felswände immer weiter auf | fichten und tannen verschmelzen fahl mit dem blaugrau des massivs, scheinbar | erst die blutroten, rundlichen kuppeln von st. bartholomä nach halbstündiger fahrt bieten einen blickfang vor der schrunden ostwand des watzmann | wir erreichen die flache moräne und steigen über nasse holzbohlen an land

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g o t h a   g l ü h t   |   2 0 1 4

hell und unbeschwert klimpert es durch die gassen, gleich vergnügtem kinderspiel am metallophon | dem lustigen klang folgend erreichen wir den kleinen markt der abendlich erleuchteten stadt | umsäumt ist er von mittelalterlichen giebeln | menschenmassen bilden einen zweiten ring um das eigentliche spektakel | in der mitte dieses doppelten bogens quellen aus einem flackernden inferno dichte, fettsatte und rußschwitzende rauchschwaden empor | höllenglut | der widerschein eng stehender schmiedefeuer wirft nervöse schattenspiele auf die umliegenden fassaden | die gesichter der neugierigen drängen im rötlichen feuer, genießen das muskelwuchten der stähle | die finstere front hunderter rücken verschlingt ungerührt das schwächelnde licht unnützer marktplatzlaternen

zum achtzehnten mal lockt das schmiedehandwerk in die alte thüringische | wieder sind sie zusammen gekommen, die meister und gesellen einer zunft, die des scheinbar unmöglichen mächtig ist | im rhythmus der zuschläger verformen sich glühende stränge zu filigranen blättern, weich anmutenden flanken, fliehenden arabesken | hände bleiben fehl im siedenden spiel | das thema dieses jahres für den wettstreit der zauberer: stille | ein anachronismus, so denkt der unkundige | in stunden aber verwandeln sich die geheimen phantasien der künstler unter den hieben zu faszinierenden objekten |  während dessen gelingt dem geduldig wartenden ein klein wenig, die metamorphose zu begreifen >> 

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k r a k a u   |   2 0 1 4

sie ist wunderschön, anmutig geziert | in liebevoller zuneigung empfängt sie den reisenden | krakau ist diva mit blühendem herzen | sich ihrer zärtlichkeit zu entziehen hieße, wirklich etwas zu versäumen | leidenschaft pulsiert, ohne aufdringlich zu werden | mit phantasie hat sie sich herausgeputzt | sie ist vorbereitet auf den, der ein abenteuer nicht scheut, der geniessen möchte, den entdeckerlust treibt | ihre gemächer bergen schätze, die höfe kleinode, in den gassen locken köstlichkeiten aufgefädelt wie tausend kunterbunte perlen

eine woche ließen wir es uns gut gehen | sieben tage erlagen wir dem charme dieser reizenden stadt und ihren menschen | es war nicht genug, es wurde der beginn einer freundschaft | krakau atmet, drängt bei aller zurückhaltung in die zukunft | nicht nur einhundertvierzigtausend studenten aus aller herren länder prägen das stadtbild, bestimmen das klima, sind sprudelnde quelle dieser metropole | deswegen allein wirkt sie nicht verspielt mit ihrer zauberhaften architektur, so faszinierend und lebhaft auf den, der das außergewöhnliche sucht und sich dem verführerischen genuss gern hingibt

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p e r   a n h a l t e r   n a c h   n o r d e n   |   2 0 1 4

vielleicht ist der gedanke ein wenig schräg | trotzdem reizt eine idee, die irgendwo in der hinterstube alter erinnerungen schlummert | tage später stehen wir am straßenrand, daumen hoch | hitze, lärm, staub | der verkehr tobt an uns vorbei richtung autobahn | dort wollen wir hin mit sack und pack | drei stunden tut sich gar nichts | dann sitzen wir plötzlich in lederpolstern und holen die zeit bis berlin fast wieder raus | erste etappe ins ungewisse | ein uns fremder mensch lenkt entspannt den wagen – einer von vielen weiteren | frauen, männer, junge und ergraute, mit alten autos oder in luxuskabinen

wir sind nie hängen geblieben, auch wenn wir zu zweit das warten neu für uns definieren mussten | dreißig menschen durften wir unterwegs kennenlernen, mit ihnen über gott und die welt plaudern, zuhören und erzählen | dreißig geschichten, die uns diese reise zu einer wertvollen, unersetzbaren erfahrung werden ließen | eine frau war es, fuhr mehr als einhundert kilometer weiter als nötig und allein ohne uns zurück | viele haben gestopft und zurecht gerückt: kein problem, ihr passt auch rein | wir werden gern in kontakt bleiben mit menschen aus albanien, dänemark, deutschland, dem jemen, palästina, schweden, somalia und der schweiz | ein herzliches dankeschön euch allen

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i t a l i e n   m i t   d e m   m o t o r r a d   |   2 0 1 3

und wieder italien – das bedeutet abwechslungsreiche landschaft, eine pittoreske architektur, unbändige lebensfreude, kulinarische genüsse, unschätzbare kunstwerke, handwerk, musik | dieses land lässt sich kaum mit einer einzigen reise erobern, versteht aber meisterhaft zu fesseln | wer auch abseits der bekannten touristenwege seinen weg wählt, findet viele wunderbare kleinode

unsere reise führte uns mit dem motorrad über die alpen, vorbei an meran und verona immer entlang des mächtigen apenin – emilia romana, toscana, umbria, abruzzo, campania – weit hinunter in den süden des landes bis knapp an kalabrien | jeder landstrich verzauberte mit neuen und unverwechselbaren eindrücken | die quirlige lebensart der menschen riss uns mit und öffnete den blick für ein land, das mehr zu bieten hat, als reisemagazine beschreiben 

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p r a g   |   2 0 1 2

die goldene stadt lockt immer wieder mit ihrem patinierten charme | moldau, rabbi löw und der golem, bedřich smetana, franz kafka, karlsbrücke, sbejbl und hurvinek, hradschin und goldenes gässchen | kneipen, geschäfte, theater machen das bummeln ungemein abwechslungsreich, auch abseits der ausgetretenen touristenpfade | prag ist lebensstil

im sommer quillt die stadt über | dunst staut sich in den engen gassen | nur die flucht auf die grüne insel in der moldau oder hinauf zum hradschin versprechen linderung | wir wollten dem ausweichen und wählten die vorweihnachtszeit | eisig, zugig, ungemütlich, rau | die farben prags jedoch gefroren im klirrenden licht zu detailreichen bildern 

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b u d a p e s t   |   2 0 1 1

mancher hegt noch tief in sich die gute erinnerung an eine stadt, der die verzauberung der sinne mit sicherheit gelang | pulsierendes leben, laue sommernächte in einer atemberaubend faszinierenden architektur der gründerzeit, hoch oben auf der fischerbastei träumen, freundliche menschen, buntes markttreiben und jede menge kultur boten den stoff, den man nicht vergessen kann

wir hatten entschieden, eine zeitreise zu starten mit dem legendären nachtzug von dresden nach budapest, keleti pu | ein winterbesuch sollte es werden, anfang dezember | auch wenn es der stadt an barem unübersehbar mangelt – wir traten im morgengrauen bei nieselregen auf den verkommen wirkenden vorplatz des ostbahnhofs hinaus –, erlagen wir in den nächsten tagen erneut dem einzigartigen charme dieser wunderbaren stadt | fünf tage waren zu knapp

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d o m   z u   b e r l i n

e i n e   v o l l m o n d n a c h t


 

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