k u l t u r e l l e   l a n d p a r t i e   w e n d l a n d   |   2 0 1 8   mai

eigentlich, so hatten wir gehofft, sollte dieses jahr nach langer zeit wieder mal skandinavien reiseziel werden | die dinge laufen manchmal anders, als man denkt | so entschlossen wir uns kurzfristig, die offenen türen von künstlern und kunsthandwerkerinnen im wendland nach fünf jahren wieder einmal aufzusuchen | zwölf tage war zeit, zu wenig |auf die vielfältigen konzerte haben wir dieses mal verzichtet, haben stattdessen alle verfügbaren ateliers und werkstätten gestürmt, dazu uns kulinarisch verwöhnen lassen | und weil das vielleicht unglaublich klingt: wir haben uns klassisch für das fahrrad entschieden, trotz hochsommerlicher temperaturen | der radius war also immer etwas begrenzt | letztlich aber wurden wir mit teils sehr persönlichen begegnungen belohnt: malerinnen und maler, grafikerinnen und grafiker, fotografen, tischler, töpfer, schmiede, schlosser, schneiderinnen, weberinnen, bäcker, hutmacherinnen, steinmetze, werkzeugmacher, und andere zum teil fast unbekannte gewerke | wir werden auf jeden fall wieder in dieses landschaftlich wunderschöne wendland fahren, zu einer der nächsten klp >>

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f r a n k r e i c h - s p a n i e n - f r a n k r e i c h - i t a l i e n   |   2 0 1 7   mai

die ältesten noch erhaltenen papiermühlen europas wollten wir besuchen | deutschland als heimatland klammerten wir vorerst aus | also rauf auf das motorrad und los richtung westen | dauerregen war thema bis an die französische grenze | kälte anfang mai | dann wurde es wechselhafter, wärmer, wieder nass | die erste papiermühle in frankreich war leicht zu finden: moulin richard de bas >> | weiter nach andorra | pyrenäen sintflutregen | stunden später bei barcelona mehr als 30° sonnenhitze am türkis des mittelmeeres | irgendwann endlich valencia | ein schöner platz im hinterland, aber keine papiermühle mehr zu finden | schade

also wieder nordostwärts | mitten durch die spanische wüste | paar tage pause in der bergfeste albaraccin | über saragossa weiter zurück in die pyrenäen | dieses mal bei schönstem wetter vorbei an huesca hinauf und später hinunter nach carcassonne | die zweite französische mühle, ein kaum zu findendes kleinod: brousses et villaret >> | der platz zum zelten wunderbar | wir blieben wieder einige tage | ungern rollten wir weiter unweit der küste im hinterland | camargue, endlose weite bis in die ausläufer des zentralmassivs | unendlich viele kehren hinauf und hinunter | bestes wetter | hitze | wir wollen noch nach mittelitalien | doch

die strecken sind uns nun nicht mehr ganz unbekannt | wir entscheiden uns für die route entlang des apennin | genießen die freien straßen, idyllische bergdörfer | kurvenreich und unendlich grün ist die strecke bis nach assisi | auf dem campingplatz sind wir nicht das erste mal | von hier aus können wir wunderbar die mühle in fabriano erreichen | zuerst sind wir enttäuscht, denn hier steht ein supermodernes werk, kein museumsgelände | doch dann werden wir fündig: die ehemalige fabrik direkt neben der motorradwerkstatt, die uns neue reifen aufzieht | und man lässt uns ein, direkt ins ehemalige kontor, öffnet alte schränke und zeigt uns hunderte rezepturenbücher, originale siebe von königshäusern und banken | wir sind im herzen der ältesten papierherstellung und haben zutritt: dankeschön! | altstadt und papiermuseum sind zugabe >> | abreise

in einem ritt geht es zurück | irgendwann nachts auf der autobahn kompletter lichtausfall | notstrom am rücklicht schalten | pfadfindern folgen | tasten | fahrfreude ist anders | endlich doch ein hotel auf der strecke | der fehler war später leicht zu finden, nur eben nicht im dunkeln | insgesamt wurden es 7.500 km und unvergessliche details unterwegs, freundliche menschen, herrliche landschaften und für uns wirklich wissenswertes zum thema papier | in absehbarer zeit müssen wir noch in die papiermühlen nach homburg >>, niederzwönitz >> | plöger in schieder-schmalenberg >> | eifeltormühle in rheinbach >> und duszniki zdròj >> | ideen, mehr nicht

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d r e s d e n – b u d a p e s t – s o f i a – i s t a n b u l   |   2 0 1 5   april

orientexpress hin und zurück | im morgengrauen erreichen wir den bosporus – roter sonnenaufgang | quartier wird zu finden sein | stunden später versinken wir widerstandslos im wirrwar der metropole, im sound gewaltiger termitenhügel, im lautstarken schmelztiegel von okzident und orient

istanbul ist betörend | die menschen treiben zu tausenden in den engen geschäftsgassen handwerk und handel, immer offen, freundlich, zuvorkommend – oder sie trinken türkisch tschai, still genießend, schwatzend, auf kleinen schemeln sitzend direkt vor der haustür im abendlicht, sie rauchen und spielen backgammon | überaus attraktive frauen – lange schwarze haare, wimpern – in jeans oder mit kunstvoll gebundenem kopftuch und knöchellangen fein geschnittenen mänteln | gut aussehende männer – gebräunte haut, immer charmant – selten mit traditioneller kappe, häufig elegant in hose und hemd | muslime oder christen, menschen aus aller herren länder – der weg durch die innenstadt ist ein angenehmes bad in der menge verschiedenster kulturen, stile, modetrends und sprachen | istanbul verkraftet diesen mix nicht nur, istanbul ist dadurch genau das, was ihren reiz ausmacht für den, der das fremde sucht, um es kennenzulernen | nach sieben tagen am bahnhof ein wenig tränen

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s o n n e n f i n s t e r n i s   |   2 0 15   m ä r z   20

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r u m b u r g   |   2 0 1 5

in weiten kurven schlängelt sich die bahn hinauf in die berge böhmens | links und rechts fröstelnder buchenwald | welliges gelände schimmert durch die kahlen äste | ab und zu schweben verfallene industriegebäude vorbei | endlich schnee, immer mehr | in rumburg endet die malerische fahrt | winterliche sonne begleitet unseren weg zum kapuzinerkloster, in die gasse bei den neugierigen weberhäusern mit den hübschen schindelbesetzten giebeln, weiter zur loretokapelle | eigentliches ziel ist der dymnik | die schlanke turmnadel am verschneiten gipfel gibt einen weiten blick ins böhmische

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